Struktur und Funktion der ICF

Struktur und Funktion der ICF – International Classification of Functioning, Disability and Health

Zielgruppe

Fachkräfte in der Eingliederungshilfe, Mitarbeitende in sozialen Dienstleistungsorganisationen, Teilhabeplanung, Case Management, Leistungsberatung und Pflege.

Seminarformat

Ein 2-tägiges Präsenzseminar, das konsequent auf Lernen durch Handeln setzt. In kleinen Workshops verknüpfen Sie die zentralen ICF-Inhalte mit Ihrem eigenen Praxiswissen. So entwickeln Sie einen veränderten Blick auf Ihre Assistenzleistungen. Kurze fachliche Impulse geben Ihnen die nötige Basis, um unmittelbar in Gruppenarbeiten, Fallbeispielen und Praxisübungen aktiv zu werden.

Kurzbeschreibung

Dieses Seminar befähigt Sie, die ICF praxisorientiert anzuwenden – im Kontext des Bundesteilhabegesetzes und mit direktem Bezug zu Ihrem Berufsalltag. Im Zentrum steht nicht fachwissenschaftlicher Input, sondern Ihr eigenes Erarbeiten und Erleben. Sie lernen, Bedarfe nach dem Konzept der Funktionalen Gesundheit zu ermitteln, Partizipation und Selbstbestimmung zu fördern und den Haltungswechsel in Ihrer Organisation aktiv mitzugestalten.

Was Sie in dem Workshop erreichen

  • Sie erproben die rechtlichen Anforderungen des BTHG und machen sie für Ihre Arbeit handhabbar.

  • Sie lernen die ICF als bio-psycho-soziales Denkmodell kennen und wenden sie direkt an.

  • Sie verstehen Funktionale Gesundheit als Schlüssel für einen anderen Blick auf Behinderung und Assistenz.

  • Sie gestalten den Haltungswechsel in Ihrer Organisation mit – vom Defizit- zum Ressourcenfokus.

  • Sie entwickeln konkrete, sofort umsetzbare Lösungsansätze für Ihre Praxis.

  • Sie stärken Ihre teilhabe- und empowermentorientierte Handlungskompetenz.

  • Sie üben die prozesshafte Bedarfserfassung und Zielformulierung an eigenen Fällen.

Workshop-Inhalte im Detail

1. Anforderungen durch das BTHG praktisch umsetzen

In diesem Teil erarbeiten Sie, wie die gesetzlichen Vorgaben konkret in Ihrem Arbeitsalltag lebendig werden.

  • Steigerung der Partizipation von Leistungsberechtigten

  • Implementation der Sozialraumorientierung

  • Nachweis wirksamer Methoden zur Inklusionsförderung

  • Bedarfsfeststellung in Orientierung an der ICF (Funktionale Gesundheit)

2. Die ICF begreifen und anwenden

Sie lernen die Struktur der ICF kennen und erfahren, wie Sie das bio-psycho-soziale Modell für Ihre Arbeit nutzen.

  • Historische Entwicklung von Klassifikationssystemen (ICD, ICIDH, ICF)

  • ICF als Klassifikationssystem vs. Funktionale Gesundheit als Denkmodell

  • Bio-psycho-soziales Modell der Funktionsfähigkeit

  • Komponenten der ICF: Körperfunktionen, Körperstrukturen, Aktivitäten, Partizipation, Umweltfaktoren, personbezogene Faktoren

  • Lebensbereiche der ICF: Lernen, Kommunikation, Mobilität, Selbstversorgung, häusliches Leben, soziale Interaktion, gesellschaftliche Teilhabe

3. Funktionale Gesundheit und Partizipation – ein neuer Blick

Hier erfahren Sie, wie sich der Blick auf Behinderung verändert, wenn Sie die Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt betrachten.

  • Definition: Funktionale Gesundheit als Wechselwirkung von Gesundheitsproblemen und Kontextfaktoren

  • Behinderung als negative Wechselwirkung zwischen Person und Umwelt

  • Subjektive und objektive Dimensionen von Teilhabe

  • Zusammenhang von Aktivität und Teilhabe: Leistung vs. Leistungsfähigkeit

  • Kritische Reflexion der ICF: Lücken, Defizitorientierung, Expertendominanz, Zugänglichkeit

4. Haltungswechsel in der Organisation aktiv gestalten

Sie setzen sich damit auseinander, wie Inklusion als Veränderungsprozess in Ihrer Einrichtung gelingen kann.

  • Inklusion als organisationaler Veränderungsprozess

  • Inklusionsanker und deren Bedeutung für die Organisationsentwicklung

  • Veränderung der professionellen Haltung: vom Defizit- zum Ressourcenfokus

  • Kommunikative Transparenz und partizipative Methoden wie Biografiearbeit, Eco-Maps und Teilhabekonferenzen

5. Lösungsansätze durch Funktionale Gesundheit – Ihr Handwerkszeug

In mehreren Arbeitsphasen durchlaufen Sie einen strukturierten Prozess der Bedarfserfassung. Diesen üben Sie Schritt für Schritt anhand von Fallbeispielen.

  1. Definition normalisierter Partizipationsräume

  2. Analyse von Aktivitätenmustern und Kompetenzprofilen (organisational)

  3. Individuelle Muster: biografiebezogene Lebensbereichsanalyse

  4. Kopplung von Teilhaberäumen, Kompetenzen und individuellen Mustern

  5. Zieldefinition auf Basis von Teilhabe

  6. Evaluation personbezogener Faktoren (Körper, Psyche, Ressourcen, Barrieren)

  7. Evaluation der Ressourcen im Sozialraum

  8. Bestimmung des Assistenzbedarfs zur Erhaltung und Verbesserung der Funktionalen Gesundheit

Methoden

  • Kurze, fokussierte Impulse, die sofort in praktische Übungen münden

  • Praxisnahe Fallbeispiele aus Ihrem Arbeitsalltag

  • Gruppenarbeiten zur direkten Anwendung der ICF-Matrix

  • Filmbeispiele zur Sensibilisierung und Perspektivübernahme

  • Reflexions- und Selbsterfahrungsübungen

  • Erarbeitung von Strukturierungs- und Visualisierungshilfen

  • Entwicklung konkreter Handlungsoptionen für den Berufsalltag

  • Transferübungen, die Theorie und gelebte Praxis verbinden

Ihr Kompetenzgewinn

Nach dem Seminar

  • bewegen Sie sich sicher in der ICF-Struktur und ihren Komponenten,

  • können Sie teilhabeorientierte Bedarfe ermitteln,

  • kennen Sie partizipative Methoden und Instrumente,

  • verstehen Sie den Zusammenhang von Gesundheit, Behinderung und Umweltfaktoren,

  • haben Sie eine ressourcen- und empowermentorientierte Haltung verinnerlicht,

  • können Sie Ihre eigene Praxis kontinuierlich evaluieren und verbessern,

  • verfügen Sie über Praxiswissen zur Gestaltung inklusiver Rahmenbedingungen.

Transfer in die berufliche Praxis

Die gesamte Fortbildung lebt von Ihrem eigenen Tun. Sie verknüpfen theoretische Grundlagen mit zahlreichen Praxisbeispielen, Reflexionsphasen und intensivem Austausch in der Werkstatt-Atmosphäre des Seminars. Ziel ist es, die ICF nicht nur als Klassifikationsinstrument kennenzulernen, sondern sie als Steuerungsinstrument für einen nachhaltigen Qualitätsentwicklungsprozess in Ihrer Organisation zu nutzen. Sie verlassen das Seminar mit konkreten, am BTHG orientierten Handlungsmöglichkeiten – und einem neuen Blick auf Ihre Assistenzleistungen, der Teilhabe, Selbstbestimmung und Lebensqualität der unterstützten Menschen in den Mittelpunkt stellt.

  • Wann?
    Donnerstag, 20. August 2026, 9:00 – Freitag, 21. August 2026, 16:30
  • Wo ist das?
    Raum 2
    Herzbergstraße, 87-99
    10365 Berlin
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  • Kosten

    395,00€, ermäßigt 98,00€